Hochzeitskorsos als Gefahr für den Verkehr

Hochzeitskorsos als Gefahr für den Verkehr

Wird eine Hochzeit gefeiert, spielen die Emotionen verrückt: Ein Hochzeitskorso wird gebildet und wie wild gehupt. Jedoch kommt es häufig auch zu gefährlichen Situationen, wenn Waffen im Spiel sind oder ganze Straßen versperrt werden. Wir erklären, wie die Justiz und Polizei zum Thema Hochzeitskorso steht.

Polizei drück in der Regel ein Auge zu

Beinah jeder hat es schon einmal erlebt oder sogar daran teilgenommen: Wird ein frisch vermähltes Brautpaar gefeiert, dann wird gerne ein Autokorso gebildet und mit lautstarkem Hupen auf sich aufmerksam gemacht.

An sich heißt es, dass im Straßenverkehr von Handlungen abgesehen werden muss, die andere Verkehrsteilnehmer belästigen, schädigen oder gar gefährden. Zieht also wieder einmal eine hupende Hochzeitsgesellschaft in ihren Autos durch die Stadt, dann hätte die Polizei eigentlich die Aufgabe, das zu unterbinden und mit einem Verwarngeld zu ahnden.

Doch meist sieht die Polizei davon ab und lässt Hochzeitskorsos geschehen, obwohl eine solche Aktion eigentlich als Veranstaltung angemeldet werden müsste.

Auch Schüsse in die Luft finden statt

Bleibt es beim harmlosen Hupen, dann ist die kurze Lärmbelästigung zu verkraften. Jedoch passiert es immer häufiger, dass große Hochzeitsgesellschaften ganze Straßen oder gar Autobahnen blockieren.

Die Polizei berichtet außerdem, dass immer wieder Hochzeitsgäste inmitten der wilden Feierei mit Waffen in die Luft schießen oder Feuerwerkskörper anzünden. Diese Situationen können schnell gefährlich werden, insbesondere wenn auf viel befahrenen und belebten Straßen in deutschen Innenstädten gefeiert wird.

NRW will gegen Korsos vorgehen

Auch der Landtag von Nordrhein-Westfalen sieht hier eine Gefährdung und beschäftigte sich mit diesem Thema. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht sich entschieden gegen Hochzeitskorsos in solchen Ausmaßen aus.

Jedoch ist es relativ schwer nachzuvollziehen, wie häufig solche Gefahrensituationen tatsächlich stattfinden. Denn erst seit April 2019 werden Autokorsos überhaupt in Statistiken erfasst. Nun muss in Nordrhein-Westfalen ausgewertet werden, welchen Schaden solche Hochzeitsfeiern in Autos tatsächlich anrichten.

Der Polizei in NRW liegen zumindest viele hunderte Fälle vor, in denen sich Personen durch Hochzeitskorsos gefährdet gefühlt haben.

Polizei fällt Kontrolle schwer

Doch in vielen solcher Situationen ist die Polizei machtlos, denn ein paar wenigen Polizisten stehen meist viele hundert feierwütige Hochzeitsgäste gegenüber.

Michael Mertens von der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen ist hierbei nicht der Meinung, dass es neue Regeln oder strengere Strafen geben müsste, wenn man sich einem Hochzeitskorso anschließt. Lediglich eine strengere Durchsetzung der bestehenden Regeln mit ausreichend Polizeibeamten müsste in Zukunft möglich sein.

Das Problem ist die Kontrolle, in der Tat, weil diese Dinge geschehen ja meistens an Wochenenden, in Zeiten, wo die Polizei im Wachdienst auch nicht so stark aufgestellt ist, personell.
Mertens gegenüber Deutschlandfunk.

Nun muss sich zeigen, ob die Polizei mit mehr Personal entschiedener gegen feierwütige Hochzeitsgesellschaften vorgehen kann, um wenigstens Gefahrensituationen ausschließen zu können.

So wird lautstarkes Hupen bestraft

Auch wenn Polizisten häufig nicht eingreifen, wenn mal wieder ein Hochzeitskorso durch die Straßen zieht, können dennoch Strafen drohen. Ein Korso, dem sich mehrere Fahrzeuge anschließen, und der mit lautem Hupen auf sich aufmerksam macht, ist eigentlich eine Veranstaltung und müsste frühzeitig angemeldet und von den zuständigen Behörden genehmigt werden.

Auch kommt es im Rahmen eines Korsos häufig zu weiteren Verkehrsvergehen, die auf den ersten Blick nicht so tragisch wirken. Schnell wird aus der Feierlaune heraus auf den Sicherheitsgurt verzichtet. Selbst unnötiges Herumfahren kostet bereits laut Bußgeldkatalog.

Sie sollten also vorsichtig sein und die Konsequenzen kennen, wenn Sie sich mal wieder zur Teilnahme an einem Korso hinreißen lassen.

Verstoß
Bußgeld
Sie haben unnötigen Lärm durch die Benutzung Ihres Fahrzeugs verursacht. 10 Euro
Sie haben Dritte belästigt, indem Sie innerhalb einer geschlossenen Ortschaft wiederholt hin- und hergefahren sind. 20 Euro
Sie haben Ihr Fahrzeug benutzt und den Sicherheitsgurt während der Fahrt nicht korrekt angelegt. 30 Euro
Sie haben die Hupe, Lichthupe oder Warnblinkanlage Ihres Fahrzeugs während der Fahrt missbräuchlich benutzt. 5 Euro

zurück