Audi plante wohl weitere Abgasmanipulationen

Audi plante wohl weitere Abgasmanipulationen

Audi versucht mit aller Kraft, den Dieselskandal hinter sich zu lassen. Doch nun kamen Informationen ans Licht, die zeigen, dass Audi noch dreistere Manipulationen geplant hatte. Auch ADAC und Umweltbundesamt sollten bewusst getäuscht werden. So sahen die Strategien aus, die intern als "politisch kritisch" eingestuft wurden.

Audi wird den Dieselskandal nicht los

Auf dem Genfer Autosalon präsentiert sich Audi aktuell von seiner besten Seite. Das Unternehmen will endlich in die Zukunft blicken und den Dieselskandal hinter sich lassen.

Vier vollelektrische Modelle präsentierte der Autobauer auf der Automesse und betonte damit, sich zukünftig in Richtung Elektromobilität bewegen zu wollen. Weg vom Diesel und hin zum E-Auto.

Doch neue Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) lassen diesen Wunsch nicht wahr werden, denn Geister der Vergangenheit beschmutzen Audis schöne grüne Weste. Es wurde nämlich bekannt, dass  Audi noch viele weitere Manipulationen geplant hatte, um die eigenen Fahrzeuge sauberer erscheinen zu lassen.

Auch ADAC und Umweltbundesamt sollten getäuscht werden

Laut Information des BR hatte es Audi nicht nur darauf abgesehen, die Behörden bei der Typengenehmigung der Fahrzeuge zu täuschen. Intern wurden ebenfalls verschiedene Strategien diskutiert, um auch den ADAC und die Umweltbehörden bei Abgastests hinters Licht zu führen.

Die illegale Abschalteinrichtung erfüllte ihren Dienst zwar auf dem hauseigenen Prüfstand, jedoch nicht bei den Tests des ADAC oder Umweltbundesamts. Denn diese Prüfsituationen wichen von den gewohnten ab, sodass die illegale Software-Komponente nicht den Prüfmodus erkannte und somit auch nicht die optimierte Abgasaufbereitung aktivierte.

Das Resultat sah so aus, dass die Fahrzeuge zwar bei der Typengenehmigung gut abschlossen, in externen Tests aber durchfielen.

Insbesondere der Artemis-Test des Umweltbundesamts und der Eco-Test des ADAC bereitete den Entwicklern Sorge. Daher waren bereits verschiedene Experten bei Audi am Werk, Möglichkeiten zu finden, mit denen die illegale Abschalteinrichtung auch in anderen Prüfsituationen brillieren und täuschen könnte. Hierfür müsste die Software-Komponente lediglich fremde Prüfzyklen erkennen und darauf reagieren können.  

So sollten fremde Prüfstände getäuscht werden

Die illegale Software-Komponente funktioniert so, dass bestimmte Sensoren im Fahrzeug anhand der Bedingungen erkennen, ob sich das Auto auf einem Prüfstand oder im Normalbetrieb auf der Straße befindet.

Um die Abschalteinrichtung noch zu verfeinern, wurden bei Audi drei verschiedene Optionen diskutiert, woran die Software einen Prüfzyklus erkennen sollte: "Umweltbedingungen", "Fahrprofilerkennung" oder "Lenkwinkelerkennung". Diese Informationen fand der BR in internen Audi-Unterlagen.

Die BR-Recherchen brachten ebenfalls hervor, dass sich Audi damals für die Verwendung einer Fahrprofil- und Lenkwinkelerkennung entschieden hatte. Sobald das Fahrzeug bemerkte, dass eine Kurve gefahren wurde, aktivierte die Abschalteinrichtung den "Normalbetrieb" mit verminderter Abgasreinigung.

Audi stuft Manipulation als "politisch kritisch" ein

Die BR-Recherchen zeigten ebenfalls, dass allen Beteiligten die Unrechtmäßigkeit der diskutierten Strategien bewusst war. So liegt dem BR eine E-Mail vor, die an einen größeren Verteiler verschickt wurde, in der der Absender explizit darauf hinweist, dass die angehängte Präsentation gleich nach dem Lesen gelöscht werden soll.

In diesem Dokument sammelten Audi-Mitarbeiter Vor- und Nachteile für die einzelnen Optionen. Insgesamt wurde die Diskussion dieser Manipulations-Strategien als "politisch kritisch" bewertet. Die Manipulationen wurden im Jahr 2009 besprochen und sollten für Audi-Modelle mit dem Baujahr 2011 Anwendung finden.

Manipulation vermutlich nicht umgesetzt

Audi selbst kommentierte die Vorwürfe des BR nicht und verwies nur auf "laufende Ermittlungen". Doch auch der ADAC konnte keine plötzliche Änderung der Abgaswerte feststellen. Nach 2007 wurden vom ADAC noch über 50 Messungen an Diesel-Fahrzeugen vorgenommen.

Möglicherweise entschied sich Audi damals gegen die erweiterte Manipulation, die auch die Prüfzyklen von ADAC und Umweltbundesamt täuschen sollte. Falls dem Fahrzeughersteller die Aufdeckungsgefahr zu hoch war, ist es vermutlich nur bei der Diskussion neuer Manipulations-Strategien geblieben.

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