Geschwindigkeitsüberschreitung

Zu schnell gefahren? Diese Strafen drohen!

Das wichtigste vorab
  • Grundlage für das Strafmaß bei zu schnellem Fahren sind der Bußgeldkatalog und die Straßenverkehrsordnung
  • Für zu schnelles Fahren drohen Geldstrafen von bis zu 680 Euro sowie Punkte in Flensburg und Fahrverbote
  • Überhöhte Geschwindigkeiten gehören zu den häufigsten Unfallursachen
  • Außerorts gelten andere Strafen als innerorts
  • In besonderen Verkehrssituationen drohen zusätzliche Strafen

Es ist eine Situation, die viele Autofahrer kennen: Sie sind mit Ihrem PKW unterwegs, haben es eilig oder sind abgelenkt – und zack: Schon schlägt die Radar-Falle zu. Welche Strafe nun auf Sie zukommt, hängt von vielen Faktoren ab. Wir erklären Ihnen, welche Konsequenzen drohen können.

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Michael Brand, Fachanwalt für Verkehrsrecht
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Viele Unfälle durch zu schnelles Fahren

Mit rund 13 % gehören überhöhte Geschwindigkeiten zu den häufigsten Unfallursachen auf deutschen Straßen. Nicht ohne Grund hat der Gesetzgeber also klare Obergrenzen beim Tempo festgelegt, die durch Blitzer überwacht werden. Überschreiten Sie die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit, begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit.

Doch welche Regelungen gelten im Detail und welche Strafen drohen Temposündern? Grundlage hierfür sind in Deutschland der Bußgeldkatalog und die Straßenverkehrsordnung. Geschwindigkeits­überschreitung ist allerdings nicht gleich Geschwindigkeitsüberschreitung.

Je nach Situation kann das Strafmaß stark variieren. Letztendlich entscheidet immer die zuständige Behörde, in welcher Höhe der Fahrer zur Kasse gebeten wird, und welche Konsequenzen eventuell noch folgen.

Eine Übersicht über die Verteilung von Unfallursachen finden Sie hier:

Fehlverhalten bei Unfällen mit Personenschaden 2017

Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts

Fußgänger, spielende Kinder, parkende Autos, dichter Verkehr… Innerhalb geschlossener Ortschaften kann eine Geschwindigkeitsüberschreitung schnell schlimme Folgen haben. Entsprechend gelten hier klare Tempolimits. Überschreiten Sie diese, sind die Strafen deutlich höher als außerorts.

So droht Autofahrern, die bis zu 20 km/h zu viel auf dem Tacho hatten, ein Bußgeld von bis zu 35 Euro. Waren Sie 21 bis 30 km/h zu schnell, sind es bereits bis zu 100 Euro und ein Punkt in Flensburg. Bei noch höheren Überschreitungen wird es richtig teuer, hinzu kommen zwei Punkte und mindestens ein Monat Fahrverbot.

Geschwindigkeits­überschreitung Bußgeld Punkte Fahrverbot
Bis 10 km/h 15 Euro    
11 bis 15 km/h 25 Euro    
16 bis 20 km/h 35 Euro    
21 bis 25 km/h 80 Euro 1  
26 bis 30 km/h 100 Euro 1 1 Monat*
31 bis 40 km/h 160 Euro 2 1 Monat
41 bis 50 km/h 200 Euro 2 1 Monat
51 bis 60 km/h 280 Euro 2 2 Monat
61 bis 70 km/h 480 Euro 2 3 Monat
Über 70 km/h 680 Euro 2 3 Monat

*In der Regel nur, wenn Sie innerhalb eines Jahres die Geschwindigkeit zweimal um 26 bis 30 km/h überschreiten.

Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts

Auch wenn freie Landstraßen und gut ausgebaute Autobahnen zu schnellem Fahren verleiten: Außerhalb geschlossener Ortschaften müssen Sie sich natürlich ebenso an die Geschwindigkeits­bestimmungen halten wie innerorts.

Anderenfalls kann es auch hier schnell teuer werden. Geldbußen drohen bereits, wenn Sie um 10 km/h zu schnell unterwegs sind, ab 21 km/h zu viel auf dem Tacho kommen Punkte in Flensburg und Fahrverbote hinzu. Die Sanktionen auf Autobahnen sind dabei die gleichen wie auf Bundesstraßen.

Geschwindigkeits­überschreitung Bußgeld Punkte Fahrverbot
Bis 10 km/h 10 Euro    
11 bis 15 km/h 20 Euro    
16 bis 20 km/h 30 Euro    
21 bis 25 km/h 70 Euro 1  
26 bis 30 km/h 80 Euro 1 1 Monat*
31 bis 40 km/h 120 Euro 1 1 Monat*
41 bis 50 km/h 160 Euro 2 1 Monat
51 bis 60 km/h 240 Euro 2 1 Monat
61 bis 70 km/h 440 Euro 2 2 Monat
Über 70 km/h 600 Euro 2 3 Monat

*In der Regel nur, wenn Sie zweimal im Jahr 26 km/h oder mehr zu schnell gefahren sind.

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Sachbeschädigung, Personengefährdung & Co.: Spezifische Verkehrssituationen

Besondere Situationen erfordern oft besondere Maßnahmen. Das gilt auch im Straßenverkehr. Kommt zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung noch eine besondere Gefährdung hinzu, drohen zusätzliche Strafen. Sogenannte spezifische Verkehrssituationen liegen etwa vor:

  • wenn Sie die Schrittgeschwindigkeit in einem verkehrsberuhigten Bereich nicht einhalten,
  • bei besonderen Straßen- oder Sichtverhältnissen,
  • bei Personengefährdung und/oder Sachbeschädigung,
  • bei Gefährdung von Kindern bzw. hilfsbedürftigen oder älteren Personen
  • oder bei einer Störung des Verkehrsflusses durch zu langsames Fahren.

Auch in Baustellen gibt es mitunter besondere Regeln, denn sie gelten als angekündigte Gefahrenstelle. Bei zu hoher oder unangepasster Geschwindigkeit trotz angekündigter Baustelle müssen Sie mit mindestens 100 Euro Strafe und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Ansonsten gelten in Baustellen die gleichen Bestimmungen wie überall: Auch hier kommt es darauf an, ob Sie inner- oder außerorts mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt wurden. Auch Geschwindigkeitsüberschreitungen in Tempo-30-Zonen ahndet der Gesetzgeber ebenso wie in geschlossenen Ortschaften oder auf Landstraßen und Autobahnen.

Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Schrittgeschwindigkeit in verkehrsberuhigtem
Bereich nicht eingehalten (bis zu 10 km/h zu schnell)
20 Euro    
11 bis 15 km/h 100 Euro 1  
16 bis 20 km/h 120 Euro 1  
21 bis 25 km/h 145 Euro 1  
26 bis 30 km/h 80 Euro 1  
31 bis 40 km/h 20 Euro    
41 bis 50 km/h 75 Euro 1  

*Hier droht zusätzlich eine Beschlagnahmung/Vernichtung des Gerätes.

30er Zone

Gibt es für Geschwindigkeitsüberschreitung in einer 30er-Zone besondere Strafen?

Viele Autofahrer gehen davon aus, dass in 30er-Zonen besondere Regelungen und Sanktionen gelten. Dem ist allerdings nicht so. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung in einer verkehrsberuhigten Zone wird genauso geahndet wie überall sonst auch. Entscheidend ist lediglich, ob Sie inner- oder außerorts erwischt wurden.

Geblitzt in der Probezeit: Was passiert jetzt?

Wenn Sie innerhalb der Probezeit geblitzt wurden, gelten bis zu einem Bußgeld von 60 Euro die gleichen Regeln wie für alle anderen Autofahrer. Bei höheren Strafen oder besonders fahrlässigem Handeln kann es allerdings passieren, dass sich die Probezeit um zwei Jahre verlängert.

Waren Sie mehr als 20 km/h zu schnell unterwegs, spricht der Gesetzgeber von einem sogenannten A-Verstoß: In einem solchen Fall müssen Sie neben der Geldstrafe und Punkten in Flensburg ein Aufbauseminar absolvieren.

Hinweis

Was sind A-Verstöße und B-Verstöße?

A-Verstöße sind schwerwiegende Verkehrsverstöße wie z.B.

  • Überfahren einer roten Ampel,
  • Missachtung der Vorfahrtsregeln oder
  • Unerlaubtes Überholen

B-Verstöße sind minder schwere Verkehrsverstöße wie z.B.

  • Handy am Steuer
  • Reifen mit unzureichender Profiltiefe
  • Überfällige Haupt- und Abgasuntersuchung (HU & AU)
30er Zone

Zu schnell mit dem LKW: Besondere Regeln für Brummifahrer

Für LKW-Fahrer gibt es nicht nur eigene Bestimmungen, sondern gleich einen komplett gesonderten Bußgeldkatalog. Dies ist nicht ohne Grund so, denn schließlich sind die Schäden bei Unfällen oft deutlich dramatischer als bei einem PKW.

Das Tempolimit hängt zudem vom Gewicht des Fahrzeugs ab: LKW mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen dürfen außerorts nicht schneller als 100 km/h fahren, anders sieht es lediglich auf Autobahnen aus. Zwischen 3,6 und 7,5 Tonnen gilt – auch auf Autobahnen – außerhalb von Ortschaften eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

Fahrzeuge mit einem noch höheren Gewicht dürfen außerorts nicht schneller als 60 km/h fahren, auf Autobahnen ist bei 80 km/h Schluss. Bereits ab einer Überschreitung von 16 km/h drohen ein Punkt in Flensburg und ein Bußgeld von bis zu 80 Euro. Auch den Führerschein sind „Brummifahrer“ schneller los als Temposünder im PKW.

Autofahrer, die mit einem Anhänger zu schnell gefahren sind, werden ebenfalls strenger zur Kasse gebeten. Außerorts drohen Geldstrafen von 15 bis 600 Euro sowie bis zu zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot, innerorts zahlen Sie schlimmstenfalls sogar bis zu 680 Euro.

Hinweis

Toleranzabzug: Was heißt das genau?

Sicher haben Sie schon einmal von dem sogenannten Toleranzabzug gehört. Doch was genau heißt das eigentlich?

Die technischen Geräte, die die Geschwindigkeit auf unseren Straßen erfassen, werden immer ausgefeilter. Trotzdem können die Messungen hin und wieder ungenau sein. Daher hat der Gesetzgeber diese Regelung eingeführt. Konkret bedeutet dies, dass von dem Messergebnis immer ein bestimmter Wert abgezogen wird, bevor die jeweilige Behörde eine Strafe für den Fahrer festlegt.

Bei einem Tempo von bis zu 100 km/h sind dies 3 km/h, bei höheren Geschwindigkeiten 3 %. Wo Sie geblitzt wurden – ob in einer geschlossenen Ortschaft, auf der Landstraße oder der Autobahn – spielt dabei keine Rolle.

Verjährung: Wann gilt ein Bußgeldbescheid als ungültig?

Doch was passiert, wenn die zuständige Behörde den Bußgeldbescheid zu spät verschickt? Grundsätzlich gilt für Bußgeldbescheide eine gesetzliche Verjährungsfrist von drei Monaten. Versendet die Behörde den Bescheid später, haben Sie Glück: Der Anspruch auf das Bußgeld gilt dann als verfallen.

Es gibt allerdings Fälle, in denen die Verjährungsfrist unterbrochen werden kann. Dies gilt beispielsweise, wenn der Betroffene vor dem Bußgeldbescheid einen Anhörungsbogen erhält. In diesem Fall beginnt die dreimonatige Frist mit Eintreffen des Bogens erneut.

Andere Gründe für eine Unterbrechung der Frist sind:

  • eine Vernehmung des Betroffenen
  • eine vorläufige Einstellung des Verfahrens
  • die Abgabe der Ermittlungsakte an die Staatsanwalt oder das Amtsgericht
  • die Ansetzung einer Hauptverhandlung

Für die Verjährung spielt es zudem keine Rolle, wann Sie den Bußgeldbescheid aus dem Briefkasten holen und lesen. Entscheidend ist stets das Datum der Zustellung. Auch können Sie ein Bußgeld nicht zurückfordern, wenn Sie erst nach der Überweisung feststellen, dass die Verjährungsfrist eigentlich abgelaufen war.

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