VW Software-Update

Die Wirkungen der Software-Updates im Abgasskandal

Das wichtigste vorab
  • Die Automobilhersteller wollen mit den Software-Updates ihre Manipulationen ausbügeln
  • Das Update entfernt die illegale Abschaltkomponente aus der Steuerungssoftware
  • Bestimmte Motorteile werden nach dem Update deutlich stärker belastet
  • Bei Verweigerung des Updates kann eine Stilllegung des Autos drohen
  • Betroffene Dieselbesitzer können den Kaufpreis gegen Rückgabe des Autos verlangen

Für betroffene Dieselbesitzer geht die Tortur weiter: Um die Manipulationen zu beseitigen, müssen Software-Updates durchgeführt werden – auf Kosten der Autos. Doch Dieselkunden können sich wehren und ihre Ansprüche durchsetzen. Hier erfahren Sie alles, was es zu den Software-Updates zu wissen gibt.

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Philipp Caba, Rechtsanwalt von Gansel Rechtsanwälte
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Carolyn Diepold, Rechtsanwältin von Gansel Rechtsanwälte
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Ansprüche durchsetzen im Abgasskandal

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Weshalb muss ich ein Software-Update an meinem Auto durchführen lassen?

Im Herbst 2015 gestand der VW-Konzern, die Motoren vieler Modelle mit einer illegalen Software ausgestattet zu haben. Mit einer Abschalteinrichtung wurden die Emissionswerte auf dem Prüfstand künstlich niedrig gehalten.

So wurden die Fahrzeuge aufgrund von verfälschten Werten für den Markt zugelassen. Im Realbetrieb war die ausgestoßene Abgasmenge um das bis zu 50-fache so hoch. Nach und nach gesellten sich weitere Fahrzeughersteller zu VW auf die Anklagebank. Der VW-Skandal wurde zum branchenweiten Dieselskandal.

Die Manipulation an den Motoren stellt eine klare Täuschung des Käufers der Fahrzeuge dar, weshalb auch schon etliche Klagen gegen einzelne Autofirmen laufen.

Von den Fahrzeugherstellern wurde nun erwartet, die Fahrzeuge so umzurüsten, dass sie den erlaubten Standards entsprechen. Die Fahrzeughersteller einigten sich mit den zuständigen Behörden auf die Problemlösung mithilfe von Software-Updates.

Für welche Fahrzeuge ist das Update notwendig?

In Deutschland sind etwa 15 Millionen Dieselfahrzeuge zugelassen. Viele davon sind ältere Modelle. Mehr als 5 Millionen deutsche Dieselfahrzeuge sind vom Abgasskandal betroffen.

Die Fahrzeughersteller haben nun die Verantwortung, auf diese Fahrzeuge ein Software-Update aufspielen zu lassen. Betroffen sind beinah alle Fahrzeughersteller. Einige Marken verzeichnen sehr viele Modelle, die einen manipulierten Motor verbaut haben, bei anderen sind nur Fahrzeuge einer bestimmten Fahrzeugklasse betroffen.

Aktuell stehen hauptsächlich Fahrzeuge mit dem VW-Motor Typ EA189 in den Werkstätten, um das Software-Update aufspielen zu lassen. Da VW bereits 2015 die Manipulationen gestanden hatte, arbeitet der Konzern bereits länger an Nachbesserungsmaßnahmen.

Beinah alle anderen Autohersteller müssen noch auf die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) warten, sodass die Benachrichtigung über ein Software-Update erst in der Zukunft bei Fahrzeugbesitzern ankommen wird.

Falls auch Ihr Dieselfahrzeug vom Abgasskandal betroffen ist und Sie ein Software-Update durchführen lassen müssen, erhalten Sie Post von der zuständigen Stelle. Entweder Sie werden vom Hersteller oder dem KBA über das Update informiert.

Wie weit sind die Autofirmen aktuell mit den Software-Updates?

VW-Marken (VW, Audi, Skoda, SEAT):

Der Volkswagen-Konzern hatte die meiste Arbeit vor sich. Die jeweiligen Software-Updates sind für alle betroffenen Modelle eingereicht und vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt worden. Nun muss das Update nur noch durchgeführt werden. Hier gibt VW an, dass dies bereits bei 90 % der Fahrzeuge geschehen ist.

Daimler:

Die Mercedes-Mutter hatte bereits 2017 für etwa 300.000 Fahrzeuge ein Update angekündigt. Dieses sei auf 95 % der Autos bereits aufgespielt worden. Nun wartet Mercedes darauf, dass das KBA die weiteren Updates genehmigt, sodass nochmal eine Million Fahrzeuge geupdatet werden können.

BMW:

Der Münchner Fahrzeughersteller berichtet, dass die Entwicklung der Software abgeschlossen ist und alle Unterlagen pünktlich im September 2018 beim Kraftfahrt-Bundesamt eingereicht wurden. Nun müssen die Verbesserungsmaßnahmen vom KBA genehmigt werden, sodass auch an deutschen BMW-Fahrzeugen das Update durchgeführt werden kann.

Opel:

Bei Opel sieht es ähnlich aus wie bei BMW: Auch hier wurden alle notwendigen Unterlagen fristgerecht beim KBA eingereicht, sagte ein Sprecher. Auch hier wartet der Fahrzeughersteller auf die Bestätigung des Kraftfahrt-Bundesamtes, um mit den Updates loslegen zu können.

Software-Update Abgasskandal

Fahrzeug erkennt Prüfmodus und schaltet in die effizientere Abgasaufbereitung

Was wurde an meinem Fahrzeug eigentlich manipuliert?

Vor der Zulassung eines neuen Modells wird das Fahrzeug auf Herz und Nieren getestet. Abgas- und Verbrauchswerte werde speziell analysiert. Weist das Fahrzeug die entsprechenden Werte auf und liegen diese im Rahmen der erlaubten Richtlinien, erhält das Modell eine Zertifizierung.

Bestimmte Sensoren im Fahrzeug erkennen, ob das geprüfte Fahrzeug auf der Straße oder auf dem Prüfstand fährt. Diese Art von Software nennt sich Abschalteinrichtung und ist an sich nicht illegal, denn bestimmte Systeme müssen während des Prüfstands deaktiviert werden, damit sie die Messungen auf ebendiesem Prüfstand nicht stören.

Jedoch haben die Fahrzeughersteller mithilfe der Software in den Prüfsituationen einen geringeren Schadstoffausstoß herbeigeführt: Das ist ein Missbrauch der Abschalteinrichtung und illegal.

Die Abgasaufbereitung läuft im Prüfmodus deutlich effizienter ab – der Verbraucher hat also eine Mogelpackung gekauft, da die realen Emissionswerte deutlich über den gesetzlich erlaubten Grenzwerten liegen. Denn im Realbetrieb auf der Straße erkennt das Auto keine Testsituationen und verwendet den "unsauberen" Modus.

Was macht das Update mit meinem Fahrzeug?

Das Software-Update deaktiviert die illegale Abschaltkomponente in der Motorsteuerungssoftware. Das Fahrzeug fährt nun dauerhaft im ursprünglichen Prüfmodus.

Durch die Deaktivierung der Software verändert sich die Abgasreinigung und -verarbeitung. Das Fahrzeug stößt bis zu 30 % weniger Abgase aus, jedoch wird der Motor selbst stärker belastet, da mehr unsaubere Luft im Motor bleibt.

Um auf dem Prüfstand den Ausstoß von gefährlichen Stickoxiden und anderen Abgasen zu reduzieren, wurde beispielsweise

  • AdBlue in sehr großen Mengen eingespritzt und
  • das Abgasrückführungsventil (AGR) deutlich stärker belastet.

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Verweigern Dieselbesitzer ein Update, kann die Stilllegung des Autos drohen

Kann ich das Software-Update verweigern?

Viele betroffene Dieselbesitzer stehen vor der Frage, ob sie ein Software-Update an ihrem Fahrzeug durchführen lassen sollen oder nicht. Jedoch ist das eigentlich keine freiwillige Entscheidung, da bei einer Weigerung eine Stilllegung des Fahrzeugs droht. Da das Verkehrsministerium beschlossen hat, Software-Updates als Nachbesserung der Autohersteller zu akzeptieren, müssen Dieselfahrer dem Folge leisten.

Alle Besitzer eines betroffenen Dieselfahrzeugs sollten vom Kraftfahrt-Bundesamt oder einer anderen europäischen Zulassungsbehörde per Post eine Benachrichtigung über Rückrufe einzelner Autohersteller erhalten haben. Fahrzeughalter werden aufgefordert, innerhalb eines gewissen Zeitraums eine Werkstatt aufzusuchen und ein Software-Update aufspielen zu lassen.

Da die Anweisung direkt von den Behörden kommt, können bei einer Weigerung unangenehme Folgen drohen. So können Sie zu der Zahlung von Bußgeldern verdonnert werden.

Reagieren Sie weiterhin nicht auf die Aufforderungen, kann sogar die Stilllegung Ihres Fahrzeugs drohen. Daher bleibt Besitzern betroffener Fahrzeuge gar keine andere Wahl, als früher oder später eine neue Software aufspielen zu lassen.

Gut zu wissen

Nach Update Klage noch möglich

Auch nach Aufspielen des Software-Updates können Sie noch Ansprüche gegen Volkswagen wegen der Abgasmanipulationen durchsetzen.

Wie kann ich mich gegen die Software-Updates wehren?

Die negativen Folgen der Software-Updates und des Dieselskandals an sich müssen Sie nicht ohne Weiteres hinnehmen. Vielmehr haben Sie mehrere Möglichkeiten, gegen Volkswagen und die anderen involvierten Autohersteller vorzugehen.

  • Widerruf von Finanzierungs- oder Leasingverträgen

Bei dieser Strategie ist es tatsächlich unerheblich, ob Sie ein betroffenes Dieselfahrzeug besitzen oder nicht. So oder so können Sie vom dem sogenannten Auto-Widerrufsjoker profitieren.

Denn in vielen Kreditverträgen mit Autobanken finden sich fehlerhafte und unverständliche Passagen in Bezug auf die Widerrufsbelehrung. Trifft das auch auf Ihren Kredit- oder Leasingvertrag zu, können Sie eine Rückabwicklung des Vertrags fordern.

Denn die Widerrufsfrist hat in diesen Fällen nie zu laufen begonnen, was einen Widerruf noch heute möglich macht. Bei einem wirksamen Widerruf erhalten Sie alle bisher gezahlten Finanzierungsraten zurückerstattet und müssen dafür Ihr Fahrzeug zurückgeben.

  • Forderung von Schadensersatz

Besitzen Sie jedoch einen vom Abgasskandal betroffenen Diesel, haben Sie die Möglichkeit, gegen den jeweiligen Autohersteller zu klagen. Beim Kauf Ihres Fahrzeugs wurden Sie vorsätzlich getäuscht, sodass Sie Anspruch auf Schadensersatz haben, der gegen den Hersteller durchzusetzen ist.

  • Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe des Autos

Der Dieselskandal und drohende Fahrverbote führen dazu, dass der Wert von Dieselfahrzeugen stetig weiter sinkt. Da die illegalen Abschalteinrichtungen mittlerweile von der Rechtsprechung als Mangel angesehen werden, können Sie den Kaufpreis zurückfordern und Ihr Auto dafür abgeben. Alternativ können Sie auch einen gleichwertigen Neuwagen verlangen, der die europäischen Grenzwerte einhält.

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