Opel Abgasskandal

Schummeldiesel kommen auch aus Rüsselsheim

Das wichtigste vorab
  • Endlich ist bewiesen, dass auch Opel manipuliert hat
  • Beinah 100.000 Opel-Diesel von Pflichtrückruf betroffen
  • Opel versucht gerichtlich, gegen den Rückruf vorzugehen
  • Hauptsächlich Euro-6-Diesel sind betroffen
  • Betroffene Opel-Kunden haben Anspruch auf Entschädigung

Lange schien es, als könnte Opel seine Weste weiß halten, doch nun hat das Kraftfahrt-Bundesamt auch beim Rüsselsheimer Fahrzeugbauer eine illegale Abschalteinrichtung gefunden. Ausgerechnet Fahrzeuge der Euro-6-Norm sind betroffen. Wir berichten Ihnen, welche Rolle Opel im Abgasskandal spielt.

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Philipp Caba, Rechtsanwalt von Gansel Rechtsanwälte
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Carolyn Diepold, Rechtsanwältin von Gansel Rechtsanwälte
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Beinah 100.000 Opel-Fahrzeuge sind vom Pflichtrückruf betroffen

Wie ist Opel am Dieselskandal beteiligt?

Mehreren Autoherstellern konnte die Manipulation an ihren Dieselfahrzeugen im Zuge des Dieselskandals bereits nachgewiesen werden. Selbstverständlich wurde auch spekuliert, ob Opel Dreck am Stecken hat. Doch das stritt der Autobauer stets ab. Es schien vorübergehend tatsächlich so, als wäre Opel das eine weiße Schaf zwischen lauter schwarzen in der Autobranche. Doch dann kam 2018 die große Enttäuschung, denn auch Opel war an den Manipulationen beteiligt.

Juni 2016

Opel verkündet, eine Technologie-Initiative für mehr Transparenz, Glaubwürdigkeit und Effizienz zum Vorteil der Kunden starten zu wollen. Im Zuge dessen bot Opel 90.000 Fahrern der Modelle Insignia, Cascada und Zafira, Baujahr 2013 bis 2016, ein Software-Update an, um die Modelle sauberer zu machen. Der Autobauer betonte, dass es sich hierbei um keinen Rückruf, sondern eine kostenlose "Service-Aktion" handle.

15. Oktober 2018

Beinah drei Jahre nach den ersten Hinweisen auf Manipulationen bei Opel, verdichtet sich der Verdacht. Es werden verschiedene Razzien bei Opel durchgeführt. Die Fassade des Unschuldslamms bröckelt langsam.

17. Oktober 2018

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) kündigt den Zwangsrückruf von über 100.000 Fahrzeugen des Rüsselsheimer Autobauers an. Besonders erschreckend: Hauptsächlich Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6 sind betroffen. Also Fahrzeuge, die relativ neu sind und eigentlich die gesetzlichen Grenzwerte einhalten sollten. Eine weitere Tatsache schockiert, denn dem Bundesverkehrsministerium sollen angeblich schon seit 2015 Hinweise vorliegen, dass auch Opel seine Fahrzeuge mit einer illegalen Abschalteinrichtung ausstattet. Nun hat es den Behörden anscheinend gereicht und ein Verfahren gegen die Rüsselsheimer eingeleitet.

November 2018

Opel reicht vor dem Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein einen Eilantrag ein, um gegen den Zwangsrückruf von beinah 100.000 Fahrzeugen vorzugehen. Diesen lehnte das Gericht jedoch ab, da diesem genug Hinweise vorliegen, die zeigen, dass die Auffassung des Kraftfahrt-Bundesamts zutreffend sei.  

Was wurde bei Opel manipuliert?

Die Vorwürfe gegen Opel gleichen denen, die gegen andere Fahrzeughersteller ausgesprochen wurden. Auch Opel wird vorgeworfen, ein Programm in der Motorsteuerungssoftware verwendet zu haben, das die Abgasreinigung deutlich optimiert ablaufen lässt, wenn das Fahrzeug erkennt, dass es sich auf einem Prüfstand befindet. Diese Funktion wird im Realbetrieb auf der Straße heruntergefahren oder sogar ausgeschaltet.

Die zusätzliche Stickoxid-Reinigung wird bei einer Fahrt auf der Straße bei

  • hohen Drehzahlen und
  • einer geringen Außentemperatur heruntergeregelt.

Opel hatte dem KBA in Papierform gestanden, dass der Katalysator bereits bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius um 60 % zurückgefahren werde. Zudem haben Gutachter festgestellt, dass der AdBlue-Tank zu klein sei, um das Fahrzeug "kundenfreundlich und wartungsarm" zu betreiben. Diese Manipulationen führen dazu, dass Opel-Fahrzeuge im Realbetrieb auf der Straße einen bis zu 10-fachen Ausstoß an Abgasen aufweisen als gesetzlich erlaubt.

Welche Fahrzeuge sind bei Opel betroffen?

Von der aktuellen Rückrufaktion des KBA sind nur Opel-Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6 betroffen.

  • Opel Astra 1.6
  • Opel Zafira 1.6 CDTi
  • Opel Zafira 2.0 CDTi
  • Opel Insignia 2.0 CDTi
  • Opel Cascada 2.0 CDTi
  • Opel Mokka 1.6

Drohen auch für Opel-Modelle Fahrverbote?

Für etliche deutsche Großstädte sind Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge geplant oder bereits in Kraft. Davon sind auch Opel-Diesel nicht befreit. Die Fahrverbote gelten unabhängig davon, ob die Fahrzeuge mit der illegalen Abschalteinrichtung ausgestattet sind oder nicht.

Welche Abgasnormen aus den Innenstädten verbannt werden sollen, zeigt die folgende Grafik.

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"Wir glauben nicht, dass Nachrüstungen funktionieren." - Opel-Chef Carlos Tavares

Was bietet Opel seinen Kunden?

Bisher wurde an 30 % der freiwillig zurückgerufenen 90.000 Fahrzeuge ein Software-Update durchgeführt. Jedoch raten Experten mehr und mehr von den Nachbesserungen ab, da diese dem Fahrzeug langfristig schaden können. Zudem führen Updates in vielen Fällen einen höheren Verschleiß und Mehrverbrauch herbei.

Dennoch sind Software-Updates aktuell die einzige Nachbesserung, die Opel seinen betroffenen Kunden anbietet. Denn auch der Rüsselsheimer Autobauer lehnt Nachrüstungen ab: "Wir glauben nicht, dass Nachrüstungen funktionieren", so der Chef des Opel-Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares.

Nun wurde im Oktober 2018 ein Pflichtrückruf für 100.000 Fahrzeuge angekündigt. Opel-Fahrer der Modelle Insignia, Cascada und Zafira können sich in den nächsten Monaten darauf einstellen, eine Mitteilung vom Kraftfahrt-Bundesamt oder einer anderen europäischen Zulassungsbehörde zu erhalten.

Woher weiß ich, ob auch mein Opel-Fahrzeug betroffen ist?

Opel bietet seinen Kunden aktuell leider nicht die Möglichkeit, über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) herauszufinden, ob auch das eigene Fahrzeug betroffen ist. Andere Hersteller, wie VW, SEAT und Skoda, bieten Verbrauchern diese Funktion auf ihren jeweiligen Internetseiten an. Da es von Opel bisher nur freiwillige Rückrufaktionen gab, werden Sie vermutlich von Opel direkt oder dem Kraftfahrt-Bundesamt eine Benachrichtigung über eine "Service-Aktion" erhalten haben.

Nun wurde ein verpflichtender Rückruf von 100.000 Opel-Fahrzeugen vom KBA angekündigt. Auch hier werden Sie per Post vom Kraftfahrt-Bundesamt oder einer anderen europäischen Zulassungsbehörde darüber informiert, dass Ihr Fahrzeug eine illegale Abschalteinrichtung enthält. Sollten Sie keinen Brief erhalten, können Sie erst einmal aufatmen. Jedoch ist es möglich, dass noch weitere Modelle in den Fokus der Ermittlungen geraten.

Was können betroffene Opel-Kunden tun?

Betroffene Verbraucher haben verschiedene Möglichkeiten, gegen Opel vorzugehen:

  • Geld zurück oder neues Fahrzeug:

Haben Sie ein betroffenes Dieselfahrzeug erworben, können Sie ein vergleichbares Neufahrzeug oder die Rückzahlung des Kaufpreises fordern. Bei dieser Option wird das Fahrzeug zurückgegeben und der Kaufpreis zurückerstattet. Im Fall eines Neuwagenkaufs kann auch ein neues Auto verlangt werden, das die gesetzlichen Grenzwerte einhält.

  • Schadensersatz fordern:

Sie möchten Ihr Dieselfahrzeug nicht an den Hersteller zurückgeben, wollen aber dennoch entschädigt werden? Hier haben Sie die Möglichkeit, bei Opel Schadensersatz einzuklagen. In den USA werden betroffene Verbraucher mit einer Summe von etwa 10.000 US-Dollar entschädigt. Auch in Deutschland ist dies eine angemessene Summe. Viele geschädigte Autobesitzer haben bereits erfolgreich geklagt – auf Entschädigung wegen des Wertverlust des Fahrzeugs und wegen drohender Fahrverbote.

Gut zu wissen

Ansprüche auch nach Software-Update noch vorhanden

Haben Sie ein manipuliertes Dieselfahrzeug der Marke Opel? Selbst wenn Sie das vorgeschriebene Update schon auf Ihr Auto haben aufspielen lassen, bleiben Ihre Ansprüche auf Entschädigung weiterhin bestehen.

  • Kreditwiderruf:

Falls Sie Ihr Dieselfahrzeug finanziert oder geleast haben, besteht die Möglichkeit, Ihren Kreditvertrag zu widerrufen. Da fast alle Autokreditverträge fehlerhafte Widerrufsinformationen enthalten, können Fahrzeughalter ihren "Widerrufsjoker" ziehen. Aufgrund der fehlerhaften Informationen gilt ein ewiges Widerrufsrecht, da die Frist zum Widerruf nie begonnen hat zu laufen. Allerdings muss es sich um ein finanziertes oder geleastes Fahrzeug handeln.

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