Mercedes Abgasskandal

So ist Daimler in den Diesel-Schummel verwickelt

Das wichtigste vorab
  • Mercedes-Benz hat die Abgas-Manipulation noch immer nicht gestanden
  • Aktuell sind hauptsächlich Modelle der Mittel- und Oberklasse betroffen
  • Betroffene Kunden haben 18 Monate Zeit, die Umrüstung durchführen zu lassen
  • Ansprüche geschädigter Mercedes-Benz-Kunden verjähren erst 2021
  • Unsere Spezialisten zeigen Ihnen Ihre Optionen, um von Mercedes eine Entschädigung zu fordern
Ihre Spezialisten
Philipp Caba, Rechtsanwalt von Gansel Rechtsanwälte
Philipp Caba

Rechtsanwalt von Gansel Rechtsanwälte

Carolyn Diepold, Rechtsanwältin von Gansel Rechtsanwälte
Carolyn Diepold

Rechtsanwältin von Gansel Rechtsanwälte

Ansprüche durchsetzen im Abgasskandal

Prüfen Sie jetzt im Online-Check, ob Ihr Fahrzeug vom Abgasskandal betroffen ist und fordern Sie anschließend Ihre kostenfreie Ersteinschätzung an. Oder beauftragen Sie unsere Partner-Anwälte direkt über ein Online-Formular und ohne Kostenrisiko mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche - bequem und ohne Papierkram.

Zum Online Check Zur Online-Beauftragung

Abgasanlage verlässt nach 26 Kilometern Fahrt den sauberen Modus.

Wie war Mercedes-Benz am Dieselskandal beteiligt?

Der Autobauer Mercedes-Benz, der im Daimler-Konzern für die Fertigung von PKW zuständig ist, dementierte für eine lange Zeit strikt, etwas mit dem Abgasskandal zu tun oder sich der illegalen Software bedient zu haben. Selbst als diverse Urteile die Schuld des Daimler-Konzerns andeuteten und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die ersten Rückrufaktionen anordnete, spielte Daimler-Chef Dieter Zetsche den Unschuldigen. Dennoch einigte sich Mercedes-Benz mit den zuständigen Zulassungsbehörden darauf, freiwillig drei Millionen Dieselfahrzeuge weltweit zurückzurufen.

Mittlerweile laufen in den USA und in Deutschland Verfahren gegen den Stuttgarter Autohersteller. In 13 US-Bundesstaaten wurden zudem Sammelklagen gegen den Konzern eingereicht. Daimler hat angekündigt, gegen die Rückrufaktionen Klage erheben zu wollen.

Worum geht es im Abgasskandal?

m September 2015 gab VW bekannt, sich der Manipulation von Dieselfahrzeugen schuldig gemacht zu haben. Mithilfe einer Manipulationssoftware wurden die Werte des Abgasausstoßes auf dem Prüfstand verfälscht. Im Realbetrieb lag der tatsächliche Ausstoß von Stickoxiden weit über den gesetzlichen Grenzwerten.

Vorerst gesellten sich nur weitere VW-Töchter, wie Audi und Porsche, zu den Manipulatoren. Der Dieselskandal schien wie ein VW-internes Problem. Nach und nach zeigten die Enthüllungen, dass auch viele weitere Autofirmen am Skandal beteiligt sind und mit Hilfe der Schummel-Software die Emissionswerte ihrer Fahrzeuge aufgehübscht haben. Immer mehr Fahrzeughersteller waren geständig und gaben die Beteiligung zu.

Was wird Mercedes-Benz vorgeworfen?

Der Daimler-Marke wird vorgeworfen, diverse Funktionen in der Motorsteuerungssoftware manipuliert und missbraucht zu haben.

Im Fokus stehen diese drei Funktionen:

  • Bit 15:

Die Programmierung bewirkt, dass zu Beginn einer Fahrt eine optimierte Abgasaufbereitung stattfindet und der Ausstoß der Abgase die Grenzwerte nicht übersteigt. Nach 26 Kilometern schaltet sich die Abgasanlage jedoch aus und verlässt den sauberen Modus. Die Menge an gesundheitsgefährdenden Stickoxiden steigt somit drastisch an und liegt ein Vielfaches über den gesetzlich erlaubten Werten.

  • Thermofenster:

Dieses schaltet Abgasanlagen automatisch aus, sobald die Außentemperatur zu hoch oder zu niedrig ist. Mercedes argumentiert, dass es sich hierbei um einen Motorschutz handle. Das zuständige Gericht hält das "Thermofenster" allerdings für eine "unzulässige Abschalteinrichtung". Mercedes-Benz wurde in drei Fällen zu Schadensersatzforderung in Höhe von 25.000 bis 40.000 Euro verurteilt. Weitere Klagen zu dieser Thematik sind sehr wahrscheinlich.

  • Slipguard:

Diese Funktion erkennt, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet. Die Software kann anhand der Geschwindigkeit und Beschleunigung die Prüfsituation realisieren. Der saubere Modus wird aktiviert und der Schadstoffausstoß entsprechend optimiert. Im Realbetrieb schaltet sich die Funktion jedoch wieder aus, da der Prüfmodus nicht erkannt wird und der Motor bläst deutlich mehr dreckige Luft nach draußen.

Insbesondere die Luxus-Modelle von Mercedes sind betroffen

Welche Modelle sind betroffen?

Um die gesetzlich erlaubten Grenzwerte nicht zu überschreiten, hat Mercedes-Benz einige Funktionen der Motorsteuerungssoftware missbraucht. Betroffen sind hauptsächlich Modelle der Mittel- und Oberklasse, bei denen die Reduzierung der Emissionswerte in der Entwicklung schwieriger ist.

Bei den folgenden Modellen konnte die Manipulation bereits nachgewiesen werden:

  • Vito 1,6l Diesel (Motor OM 622)
  • C-Klasse 1,6l Diesel (Motor OM 626)
  • ML 3,0l Diesel (Motor OM 642)
  • GLE 3,0l Diesel (Motor OM 642)
  • GL 3,0l Diesel (Motor OM 642)
  • GLS 3,0l Diesel (Motor OM 642)
  • V-Klasse 2,2l Diesel (Motor OM 651)
  • GLC 2,2l Diesel (Motor OM 651)

Doch auch die A- und B- Klasse-Modelle werden verdächtigt, Emissionswerte zu verfälschen. Ungewöhnlich im Mercedes-Fall ist, dass einzelne Modelle nur in sehr geringer Stückzahl betroffen sind. Beispielsweise haben nur weniger als 100 Fahrzeuge der G-Klasse den manipulierten Software-Teil integriert. Peinlich dagegen: Nicht nur Modelle mit Vierzylindermotor müssen zurückgerufen werden, sondern auch Fahrzeuge mit verbautem Sechszylindermotor. Mercedes-Benz muss also einige seiner Luxus-Modellezurückrufen, was umso ärgerlicher für den Autobauer ist.

Welche Modelle hat Mercedes-Benz bereits zurückgerufen?

Das Verkehrsministerium teilte mit, dass fast 700.000 Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz europaweit zurückgerufen werden. Davon sind etwa 240.000 Autos in Deutschland zugelassen.

Im Mai 2018 ordnete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den Rückruf des Kleintransporters Vito an. Im Juni wurde die Rückrufaktion für die Mercedes-Benz-Modelle GLC, GLE und ML gestartet. Bei den vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordneten Rückrufen sind hauptsächlich Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6b betroffen. Mercedes-Benz versucht seinen Kunden weiß zu machen, es handle sich bei den Software-Updates um "Serviceaktionen". Diese sollen auch für die S-, C- und E-Klassen des Autobauers genutzt werden.

Am 13. Februar 2019 hat das KBA Mercedes C-Klassen der Baujahre 2013 bis einschließlich 2018 zurückgerufen. Grund sind laut Kraftfahrt-Bundesamt unangemessene Abschalteinrichtungen. Der Rückruf betrifft rund 11.000 Fahrzeuge in Deutschland.

Gibt es bereits ein Software-Update für Dieselfahrzeuge von Mercedes-Benz?

Zwei Rückrufaktionen laufen zwar bereits und weitere wurden angekündigt, jedoch gibt es noch keine Updates für die manipulierten Fahrzeuge. Mercedes-Benz wird alle betroffenen Fahrzeughalter darüber informieren, wann sie eine Werkstatt aufzusuchen haben. Jedoch wird das vermutlich erst in einigen Monaten passieren.

Bevor Updates durchgeführt werden können, müssen die Fahrzeughersteller ihre Maßnahmen dem Kraftfahrt-Bundesamt präsentieren. Dieses muss die Lösungsvorschläge zulassen. Erst dann darf Mercedes-Benz mit dem Aufspielen von Software-Updates beginnen. Der Daimler-Konzern wird mindestens bis 2020 brauchen, um die Software aller zurückgerufener Autos zu aktualisieren.

Gut zu wissen

Keine Eile bei Rückruf

Sollten sich Fahrzeughalter weigern, ein Software-Update durchführen zu lassen, kann das langfristig unschöne Konsequenzen haben, da der Rückruf vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordnet wurde. Das Fahrzeug kann also zwangsweise stillgelegt werden. Dennoch müssen sich geschädigte Dieselfahrer nicht beeilen und können ihre Optionen abwägen. Sobald das erste Rückrufschreiben bei Ihnen eingegangen ist, haben Sie 18 Monate Zeit, die Umrüstung durchführen zu lassen.

Wertverluste und Fahrverbote machen es Diesel-Fahrern schwer

Das Vertrauen in den guten alten Diesel schwindet mehr und mehr. Besitzer eines Mercedes-Benz-Diesels müssen teilweise herbe Wertverluste über sich ergehen lassen. Wer also plant, seinen manipulierten Diesel noch loszuwerden, muss mit einem deutlich verringerten Kaufpreis rechnen. Für Gebrauchthändler werden Diesel-Modelle langsam zu Ladenhütern.

So deutet auch das Diesel-Barometer der Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) eher düstere Zeiten an. Dieses besagte für 2018, dass 87 % der Händler Diesel-Gebrauchtwagen nur noch mit höheren Abschlägen verkaufen können. 22 % der Gebrauchtwagenverkäufer nahmen sogar überhaupt keine Diesel-Gebrauchtwagen in Zahlung.

Nun erschweren auch noch drohende Fahrverbote den Verkauf eines gebrauchten Dieselfahrzeugs der Marke Mercedes-Benz. Denn wieso ein Diesel-Fahrzeug kaufen, wenn man sich ab 2019 nur noch außerhalb deutscher Großstädte damit bewegen kann. Seit Januar 2019 müssen auswärtige Dieselfahrer die Stuttgarter Innenstadt meiden und viele weitere Städte wollen im Sommer 2019 diesem Beispiel folgen.

So planen Bonn, Hamburg, Frankfurt und diverse weitere deutsche Großstädte alle Dieselfahrzeuge der Abgasnorm Euro 4 und älter aus ihren Innenstädten oder von Hauptverkehrsstraßen zu verbannen. Wer sich nicht an diese Regel hält, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Ansprüche durchsetzen im Abgasskandal

Prüfen Sie jetzt im Online-Check, ob Ihr Fahrzeug vom Abgasskandal betroffen ist und fordern Sie anschließend Ihre kostenfreie Ersteinschätzung an. Oder beauftragen Sie unsere Partner-Anwälte direkt über ein Online-Formular und ohne Kostenrisiko mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche - bequem und ohne Papierkram.

Zum Online Check Zur Online-Beauftragung

Was können betroffene Kunden von Mercedes-Benz fordern?

Käufer eines manipulierten Fahrzeugs der Marke Mercedes-Benz haben verschiedene Möglichkeiten, gegen den Autobauer vorzugehen.

  • Kaufpreis zurück oder Ersatzfahrzeug:

Käufer eines betroffenen Mercedes-Benz-Fahrzeugs können ein vergleichbares Neufahrzeug oder die Rückzahlung des Kaufpreises fordern. Bei dieser Option gibt der Kunde das Fahrzeug zurück und erhält den Kaufpreis, abzüglich einer Nutzungsentschädigung. Im Fall eines Neuwagenkaufs kann auch ein vergleichbares Neufahrzeug verlangt werden, das die gesetzlichen Grenzwerte einhält.

  • Schadensersatz fordern:

Nicht immer ist es Fahrzeughaltern möglich oder nicht gewünscht, ihr Auto an den Hersteller zurückzugeben. Hier haben geschädigte Dieselfahrer die Möglichkeit, bei Mercedes-Benz Schadensersatz einzuklagen. In den USA werden betroffene Verbraucher mit einer Summe von etwa 10.000 US-Dollar entschädigt. Auch in Deutschland ist dies eine angemessene Summe, obwohl diese sogar deutlich höher ausfallen kann, da es sich im Fall von Mercedes-Benz um höherpreisige Fahrzeuge handelt. Viele Geschädigte haben bereits erfolgreich auf Entschädigung wegen des Wertverlusts des Fahrzeugs und der drohenden Fahrverbote geklagt.

  • Kreditwiderruf:

Fahren Sie einen finanzierten oder geleasten Mercedes-Benz, haben Sie die Möglichkeit, den Kredit zu widerrufen. Da fast alle Autokreditverträge fehlerhafte Widerrufsinformationen enthalten, können Fahrzeughalter ihren "Widerrufsjoker" ziehen. Aufgrund der fehlerhaften Informationen wurden die Verbraucher nicht ordnungsgemäß über ihre Widerrufsrechte belehrt und die Frist hat nie zu laufen begonnen. Allerdings muss es sich um ein finanziertes oder geleastes Fahrzeug handeln.

Auch interessant

Ihr Dieselfahrzeug ist nicht betroffen? Nutzen Sie den Widerrufsjoker!

Sie besitzen ein finanziertes oder geleastes Dieselfahrzeug von Mercedes-Benz, welches aber nicht manipuliert wurde. Sie können dennoch Ihren "Widerrufsjoker" anwenden und den Autokreditvertrag widerrufen. Dies ist auch bei nicht vom Dieselskandal betroffenen Fahrzeugen möglich. Denn auch in Ihrem Kreditvertrag finden sich möglicherweise fehlerhafte Widerrufsinformationen.

Alles zum Autokredit-Widerruf

Die Ansprüche betroffener Mercedes-Kunden verjähren frühestens 2021.

Verjährung Ihrer Ansprüche gegen Mercedes

Jedoch muss stets die Verjährungsfrist von drei Jahren im Hinterkopf behalten werden. Diese läuft aber frühestens Ende 2021 aus, da die ersten Rückrufe erst 2018 angeordnet wurden.

Dennoch sollten geschädigte Mercedes-Benz-Kunden nicht zu lange warten, da mit jedem gefahrenen Kilometer die zu entrichtende Nutzungsentschädigung steigt. Ebenso steigt die Gefahr, das Auto durch Unachtsamkeit oder einen Unfall zu beschädigen.

Musterfeststellungsklage gegen die Mercedes-Benz Bank

Anfang November ist das Gesetz zur Musterfeststellungsklage in Kraft getreten. Die Klageform kann von Verbraucherverbänden, wie den Verbraucherzentralen, genutzt werden, um die Interessen und Ansprüche geschädigter Verbraucher zu vertreten.

Die Schutzgemeinschaft für Bankkunden e.V. hat pünktlich zum 1. November 2018 eine Musterfeststellungsklage gegen die Mercedes-Bank Bank AG eingereicht. Der Vorwurf: Die Autokreditverträge des Finanzdienstleisters sollen fehlerhafte Widerrufsinformationen enthalten. Somit sind abgeschlossene Kreditverträge ewig widerrufbar.

Die erste Verhandlung zur Musterfeststellungsklage gegen die Autobank fand am 25. Januar 2019 statt und verlief leider ein wenig ernüchternd. Die Richter am zuständigen OLG Stuttgart folgten der Argumentation der Schutzgemeinschaft nicht und stellten gleichzeitig die Klagebefugnis des Vereins in Frage. Doch noch ist kein Urteil gesprochen – die 680 beteiligten Verbraucher können also weiterhin hoffen.

zurück