Dieselskandal

Was Sie über den Abgasskandal wissen müssen

Das wichtigste vorab
  • Die Schummel-Software verhalf Dieselfahrzeugen zu verfälschten Abgaswerten
  • Im Betrieb auf der Straße war der Schadstoffausstoß bis zu 30-mal so hoch
  • Weltweit sind 11 Millionen Dieselfahrzeuge betroffen
  • VW, Audi, Porsche, Skoda, SEAT, BMW und weitere Autohersteller sind involviert
  • Unsere Experten schätzen Ihren Fall kostenfrei ein und zeigen Ihnen Ihre Möglichkeiten
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Philipp Caba, Rechtsanwalt von Gansel Rechtsanwälte
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Im Spätsommer des Jahres 2015 kam der Diesel-Schummel ans Licht

Wie kam es zum Dieselskandal?

Im September 2015 gab VW öffentlich den Betrug an ihren Dieselfahrzeugen zu. Von diesem Moment an war der „Dieselskandal“ ein fester Bestandteil jeder Nachrichtensendung.

Schnell gesellten sich weitere Autobauer zu den VW-Marken auf die Anklagebank, denn auch Mercedes Benz, BMW und weitere Firmen mussten Diesel-Fahrzeuge zurückrufen.

Grund der Vorwürfe ist die Verwendung einer Software, die auf dem Prüfstand Abgaswerte verfälscht, mit dem Ziel, gesetzliche Grenzwerte einhalten zu können. Im Realbetrieb auf der Straße schaltet sich diese jedoch ab, was dazu führt, dass die Menge an gesundheitsgefährdenden Stickoxiden deutlich höher ausfiel als angegeben und erlaubt.

Die Zulassung dieser Modelle basierte also auf falschen Werten, weshalb nicht nur die Behörden getäuscht, sondern in erster Linie die Autokäufer betrogen wurden.

Wie wurde der Dieselskandal aufgedeckt?

Anfang 2014

  • Eine bislang eher unbekannte amerikanische Non-Profit-Organisation, das International Council on Clean Transportation (ICCT), testet regelmäßig Fahrzeuge auf ihren Schadstoffausstoß, so auch die Diesel-Modelle europäischer Autobauer.
  • Insbesondere bei Modellen der Marken VW und BMW fallen den Experten Unstimmigkeiten in den Messwerten auf.
  • Weitere Tests, sowohl auf der Straße als auch im Labor, zeigen schockierende Ergebnisse:
    • Während die Fahrzeuge auf den Prüfständen die erwarteten Werte abliefern, übertreffen die getesteten Modelle die Emissionswerte im Realbetrieb um das 15- bis 35-fache.

Mai 2014

  • Das ICCT gibt die Messwerte an die amerikanische Umweltbehörde EPA weiter, ohne zu wissen, welchen Skandal sie hier aufgedeckt hat. Schnell rückt VW in den Fokus der Ermittler.
  • Die amerikanische Behörde leitet ein Verfahren gegen den deutschen Autobauer ein.

Mitte 2014

  • VW wird von der US-Behörde EPA mit den Vorwürfen konfrontiert.
  • Das Unternehmen erklärt, es habe in diesen Fällen technische Probleme gegeben.

Dezember 2014

  • Der VW-Konzern ruft freiwillig 500.000 Fahrzeuge in den USA zurück.

Juli 2015

  • Die Umweltbehörde EPA hat die Testreihen des ICCT sowohl im Labor als auch bei Testfahrten weitergeführt.
  • Schnell erkennen die Forscher, dass die Messwerte des Schadstoffausstoßes durchgehend zu hoch ausfallen und die von VW vorgeschobenen technischen Probleme keineswegs Grund dafür sind.
  • Die Behörde will VW zum Geständnis zwingen, indem sie damit droht, die neuen 2016-Modelle von VW nicht zertifizieren zu lassen. Mit Erfolg, denn VW gibt kurze Zeit später die Manipulation zu.

20. September 2015

  • Nach der Drohung der amerikanischen Umweltbehörde EPA, die neuen Modelle des VW Passat nicht zuzulassen, sieht sich VW gezwungen, den Betrug öffentlich zu machen.
  • Der damalige Konzern-Chef Martin Winterkorn tritt vor die Presse, entschuldigt sich und verspricht, den Dieselskandal umfassend aufzudecken.
  • Es wird nun von Manipulation an Dieselfahrzeugen von VW gesprochen.

23. September 2015

  • Konzernchef Martin Winterkorn tritt von seinem Posten zurück.
  • Neuer Chef des VW-Konzerns wird der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller.

15. Oktober 2015

  • Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) lässt 2,4 Millionen Fahrzeuge der VW-Marken zurückrufen.
  • Weltweit sollen in knapp 11 Millionen Fahrzeuge die manipulierten Dieselmotoren verbaut sein.

Die Betrugssoftware erkennt, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand oder auf der Straße fährt

Was wurde an den Diesel-Fahrzeugen manipuliert?

Bevor ein neues Modell zugelassen wird, werden Motor und Fahrzeug auf einem Prüfstand getestet. Hierbei wird der Ausstoß von Abgas, der Verbrauch und viele weitere Werte gemessen.

Um für das neue Modell eine Zertifizierung zu erhalten, muss das Fahrzeug auf dem Prüfstand von der zuständigen Behörde abgenommen werden. Diese prüft, ob alle Werte im Rahmen der erlaubten Richtlinien liegen. Nur wenn dies der Fall ist, darf das Modell auf dem jeweiligen Automarkt verkauft werden.

Jedes Fahrzeug ist mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet, die beispielsweise für die Fahrerassistenzsysteme gebraucht werden. Damit erkennt eine bestimmte Software, ob das Fahrzeug aktuell auf dem Prüfstand steht oder auf der Straße fährt. Dies ist an sich nicht verboten, jedoch nutzten die Autobauer diese Software auf illegale Weise, um auf dem Prüfstand einen möglichst geringen Schadstoffausstoß herbeizuführen.

Erkennt das Fahrzeug den „Prüfmodus“, läuft die Abgasaufbereitung deutlich effizienter und sauberer ab. Die gemessenen Werte liegen unterhalb der Grenzwerte und die Zulassungsbehörden sind zufrieden.

Nun wird das Fahrzeug an den Endkunden verkauft und dieser fährt damit auf der Straße. Das Auto schaltet in diesem Fall nicht in den „Prüfmodus“, sondern reduziert bestimmte Funktionen oder schaltet diese sogar ab. Daraus folgt, dass das Fahrzeug eine deutlich höhere Menge an gefährlichen Schadstoffen ausstößt. Die optimierte Abgasaufbereitung, wie sie auf dem Prüfstand stattgefunden hat, wird ausgeschaltet.

Der Betrug am Kunden liegt darin, dass die Autohersteller mit den tatsächlichen Werten keine Zertifizierung für das Modell erhalten hätten. Der Verbraucher hat also eine Mogelpackung gekauft, da die Emissionswerte deutlich über den gesetzlich erlaubten Grenzwerten liegen.

Schlaumeierwissen

Abgasrückführung (AGR)

Insbesondere die Rate der Abgasrückführung (AGR) und die Menge der eingespritzten Harnstoffmenge, in Deutschland auch als AdBlue bekannt, beeinflussen den Ausstoß von Stickoxiden stark. Über die AGR-Rate wird gesteuert, in welchen Mengen Abgase in den Motor zurückgeführt werden und wie viel an die Luft abgegeben wird. Erkennt das Fahrzeug, dass es sich nicht auf einem Prüfstand befindet, wird die Menge an AdBlue und die AGR-Rate stark reduziert. Das sind manipulative Eingriffe, die zu einem deutlichen Anstieg der Stickoxidemissionen im Betrieb auf der Straße führen.

Auch Mercedes-Benz, BMW und Opel haben illegale Abschalteinrichtungen verwendet

Welche Hersteller haben die illegale Software verwendet?

Zu Beginn des Skandals sah es so aus, als wäre VW der große Bösewicht, weshalb der Begriff „VW-Skandal“ auch weiterhin fleißig genutzt wird. Da der VW-Konzern mit seinen vielen Tochtermarken, wie Audi, SEAT, Skoda und Porsche, einen großen Teil des deutschen Automarktes abdeckt, war die Liste der betroffenen Modelle von Anfang an lang – und sie wächst weiter.

Mittlerweile konnte auch Daimler, zu dem die Marke Mercedes-Benz gehört, überführt werden, ebenso wie Opel, BMW und weitere Autobauer. Die größten Überschreitungen wurden bei Fiat und Chrysler gemessen, VW wies die niedrigsten Abweichungen auf. Jedoch übertrifft die Zahl der betroffenen Fahrzeuge des VW-Konzerns alle anderen Autobauer. Allein in Deutschland sind über 2,4 Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda, SEAT und Porsche von den Manipulationen betroffen.

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Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro-6 sind ebenfalls betroffen

Welche Fahrzeuge sind vom Dieselskandal betroffen?

Ob ein Modell betroffen ist, richtet sich danach, welcher Motor im besagten Fahrzeug verbaut wurde. Im Fall von VW dreht sich alles um den Motor EA 189. Der Autobauer verwendete diesen TDI-Dieselmotor zwischen 2009 und 2014 hauptsächlich in Fahrzeugen mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum.

Die meisten dieser Modelle fielen in die Abgasnorm Euro 5. Jedoch betrifft es auch Motoren mit Abgasnorm Euro 6. Bei Mercedes-Benz heißen die Motortypen wiederum OM 642, OM 651 und OM 622. Da diese Motoren hauptsächlich in Modellen der C-, S- und G-Klasse verbaut sind, trifft es in diesem Fall eher Fahrzeuge der Ober- und Luxusklasse des Autobauers.

Hier finden Sie einer Auflistung aller Modelle, die vom Dieselskandal betroffen sind und weitere Fahrzeuge, bei denen ein erhöhter Ausstoß von Abgasen festgestellt werden konnte.

Konzern Volkswagen AG (VW, Audi, Porsche, Skoda, Seat) Daimler AG (Mercedes-Benz) BMW Opel
Motormodelle EA 189 und EA 897 OM 622, 626, 642 und 651    
Motoren 3,0, 2,0, 1,6, 1,2, 4,2 Liter Hubraum 1,6, 3,0, 1,8, 2,1, 2,2 Liter Hubraum 3,0 Liter Hubraum 1,6 und 2,0 Liter Hubraum
Schadstoffklassen Euro 4, Euro 5, Euro 6 Euro 6 Euro 6 Euro 6
Modelle VW
u.a. VW Golf-, Polo- und Passat-Modelle, Tiguan, Polo, Jetta V und VI, Scirocco, Beetle II, Sharan I und II, Touareg
Diverse Daimler-Modelle, u.a. C-, E-, S-, ML-,G-Klasse und GLC-Modelle, Vito 750, M550 Insignia, Zafira, Cascada
  Audi
diverse Audi-Modelle, u.a. A1, A3, A4, A5, A6, A7, A8, Q3, Q5, SQ5, Q7, TT
     
  Porsche
Cayenne, Macan, Panamera
     
  Skoda
u. a. Fabia, Rapid, Roomster, Octavia, Superb, Yeti
     
  Seat
u.a. Alhambra, Altea, Exeo, Leon II, Toledo IV
     
  Nutzfahrzeuge
u. a. Caddy, Amarok
     

Wie trifft die Abgasmanipulation die Besitzer von Dieselfahrzeugen?

Erst einmal eine beruhigende Nachricht: Nicht jedes Dieselfahrzeug ist automatisch vom Dieselskandal betroffen! Nur bestimmte Motoren wurden manipuliert. Bei VW war das beispielsweise der Dieselmotor EA189.

Auf der Internetseite von VW kann anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) geprüft werden, ob das eigene Auto diesen Motortyp verbaut hat. Da bisher alle Autohersteller, denen die Verwendung der Schummel-Software nachgewiesen werden konnte, einen Rückruf gestartet haben, hat auch das Kraftfahrt-Bundesamt reagiert und an alle betroffenen Fahrzeughalter Mitteilungen verschickt.

Diese werden schriftlich aufgefordert, mit ihrem Fahrzeug in die Werkstatt zu fahren, um das Update aufspielen zu lassen. Weigern sich Dieselbesitzer, dem Folge zu leisten, droht das Kraftfahrt-Bundesamt damit, das Auto stilllegen zu lassen. Haben Sie also keinen Brief vom KBA oder einer anderen europäischen Zulassungsbehörde erhalten, können Sie erst einmal aufatmen.

Ihre FIN finden Sie in Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil 1

So finden Sie heraus, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist

Prüfen Sie mit Ihrer Fahrzeug-Identifizierungs­nummer (FIN), ob auch Ihr Fahrzeug betroffen ist:

Zur Prüfung bei VW

Zur Prüfung bei Audi

Zur Prüfung bei Skoda

Zur Prüfung bei SEAT

Jedoch trifft der Dieselskandal viele Menschen hart. In Deutschland allein besitzen 2,5 Millionen Fahrzeughalter einen manipulierten Diesel der Marken VW, Audi, Skoda, SEAT und Porsche. Die Autohersteller haben die betroffenen Fahrzeuge zwar zurückgerufen, jedoch bieten sie keine adäquate Maßnahmen zur Schadensbeseitigung an.

VW und Kollegen verpflichten ihre geschädigten Kunden lediglich zu einem Software-Update. Dieses soll die Manipulation deaktivieren. Jedoch geschieht das auf Kosten der Kunden. Denn die Software-Updates haben bewiesenermaßen diverse Folgen. So beobachten viele Autohalter, dass

  • der Spritverbrauch steigt,
  • Einbußen in der Leistung beim Anfahren und Beschleunigen festzustellen sind und
  • das Abgasrückführungsventil und der Rußpartikelfilter deutlich stärker belastet werden und somit schneller verschleißen.

Das AGR steuert, wie viel Stickoxide an die Luft abgegeben werden

Was bewirkt das Software-Update und schadet es meinem Fahrzeug?

Das Software-Update sorgt dafür, dass die Abschalteinrichtung deaktiviert wird. Das bedeutet, ein Teil der Software wird entfernt. Ihr Fahrzeug fährt nun in dem Modus, in dem es ursprünglich auf dem Prüfstand getestet wurde. Zwar stößt Ihr Fahrzeug nach dem Update weniger Abgase aus, jedoch wurde die Lebensdauer des Motors mit all seinen Bestandteilen im sauberen Modus nie erprobt.

Bei den Tests ging es lediglich darum, die Abgaswerte möglichst niedrig zu halten. Daher stellen Software-Updates nur eine kurzfristige Lösung dar. Langfristige Folgen können ein deutlich höherer Verschleiß diverser Teil, ein höherer AdBlue- und Kraftstoffverbrauch sowie Einbußen in der Leistung sein.

Um auf dem Prüfstand den Ausstoß von gefährlichen Stickoxiden und anderen Abgasen zu reduzieren, wurde beispielsweise

  • AdBlue in sehr großen Mengen eingespritzt und
  • das Abgasrückführungsventil (AGR) deutlich stärker belastet.

Da nach dem Update weniger Stickoxide nach draußen gelangen, werden mehr Abgase zurück in den Motor geleitet. Das führt wiederum zu einem schnelleren Verschleiß des AGR-Ventils und muss deutlich früher ersetzt werden. Das Ventil kostet etwa 50 bis 60 Euro und muss im sauberen Modus etwa alle 8.000 Kilometer ausgetauscht werden.

Wenn sich das AGR-Ventil verschließt, setzt sich auch der Rußpartikelfilter schneller zu. Ein neuer kann je nach Modell mehrere tausend Euro kosten. Einige Fahrzeughalter berichten davon, dass der Filter etwa alle 300 bis 500 Kilometer gereinigt oder sogar ausgetauscht werden muss. Auf Dauer kann das Software-Update für den Fahrzeughalter also sehr teuer werden.

Nachrüstungen kosten durchschnittlich 3.000 Euro, Updates dagegen nur 100 Euro pro Auto

Was wäre eine geeignete Lösung für mein Fahrzeug?

Nur bei jedem zweiten Fahrzeug ist ein Software-Update möglich. Es muss also eine alternative Problemlösung her. Die Deaktivierung der illegalen Bestandteile der Software stellen für die Automobilhersteller eine preiswerte Lösung dar. Das Aufspielen der neuen Software inklusive der Werkstattgebühren liegt preislich bei etwa 100 Euro.

Eine deutlich effektivere Lösung, die geschädigten Kunden auch langfristig Abhilfe verschaffen würde, sind Hardware-Nachrüstungen. Es ist möglich, Systeme zur Abgasreinigung in die betroffenen Fahrzeuge einzubauen. Dies würde den Ausstoß von gesundheitsschädigenden Stickoxiden deutlich verringern und zudem den Verschleiß des Fahrzeugs verlangsamen.

Es gibt allerdings einen Haken: Diese Methode ist für die Automobilhersteller kosten- und aufwandstechnisch sehr viel umfangreicher. In vielen Fahrzeugen müsste erst Platz für neue Hardware geschaffen werden, da dieser im Motor nicht ausreichend vorhanden ist. Eine Nachrüstung kann pro Auto auf etwa 1.500 bis 3.500 Euro geschätzt werden. Dagegen sehen die 100 Euro für das Software-Update für die Hersteller deutlich attraktiver aus.

Wer ist für den Dieselskandal verantwortlich?

Auch wenn sich die Führungsriegen der großen Automobilhersteller bei Bekanntwerden des Skandals alle überrascht gaben, sitzen die Verantwortlichen des Dieselskandals in Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart, München und Rüsselsheim, den Firmenzentralen der Fahrzeughersteller. Der damalige VW-Konzernchef Martin Winterkorn musste aufgrund seiner Mittäterschaft seinen Posten räumen. Es läuft eine Schadenersatzklage gegen den ehemaligen Manager, in den USA liegt ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vor.

Bei VW rollten noch weitere Köpfe: So musste auch Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer und die beiden Motorenchefs Rudolf Krebs und Falko Rudolph den VW-Konzern verlassen, nachdem die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Mittäterschaft nachweisen konnte. Diese ehemaligen Top-Manager und weitere Ex-Angestellte von VW haben bereits Klagen gegen ihre Kündigung eingereicht.

In den USA wird mit den Verantwortlichen des Dieselskandals kurzer Prozess gemacht. So wurde der ehemalige VW-Manager Oliver Schmidt zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 400.000 Dollar verurteilt. Schmidt war bei Volkswagen für den Kontakt zu den amerikanischen Umweltbehörden und die Zertifizierung von neuen Modellen zuständig. Im August 2017 bekannte er sich schuldig und gestand, die amerikanischen Behörden über die Abgaswerte der Dieselfahrzeuge getäuscht zu haben.

Was kann ich von den Automobilherstellern fordern, wenn mein Auto betroffen ist?

Rechtlich gesehen wurde den Käufern von Dieselfahrzeugen nicht das Produkt übergeben, für das sie bezahlt haben. Denn das Fahrzeug muss beim Kauf die sogenannte Sollbeschaffenheit aufweisen, die bei Fahrzeugen gleicher Art üblich ist.

Eine illegale Software, die die Motorsteuerung manipuliert, gehört üblicherweise nicht zur Standardausstattung von Dieselfahrzeugen. Das bedeutet, dass Käufer eines solchen Fahrzeugs beim Kauf getäuscht wurden. Es liegt also ein Fall von vorsätzlicher Täuschung und Betrug vor.

Betroffene Verbraucher haben verschiedene Möglichkeiten, gegen den Autohersteller vorzugehen:

  • Geld zurück oder Neufahrzeug:

Haben Sie ein betroffenes Dieselfahrzeug erworben, können Sie die Herausgabe eines Neuwagens oder die Rückzahlung des Kaufpreises fordern. Bei dieser Option wird das Fahrzeug zurückgegeben und der Kaufpreis – abzüglich einer Nutzungsentschädigung – zurückerstattet. Im Fall eines Neuwagenkaufs kann auch ein vergleichbares Neufahrzeug verlangt werden, das die gesetzlichen Grenzwerte einhält.

  • Schadensersatz fordern:

Sie möchten Ihr Dieselfahrzeug nicht an den Hersteller zurückgeben, wollen aber dennoch entschädigt werden? Dann können Sie vom Hersteller Schadensersatz in Höhe von bis zu 10.000 Euro fordern. Viele geschädigte Autobesitzer haben bereits wegen des Wertverlusts ihres Diesels erfolgreich auf Entschädigung und der drohenden Fahrverbote geklagt.

  • Autofinanzierung widerrufen:

Falls Sie Ihr Dieselfahrzeug finanziert oder geleast haben, besteht die Möglichkeit, Ihren Kreditvertrag zu widerrufen. Da fast alle Autokreditverträge fehlerhafte Widerrufsinformationen enthalten, können Fahrzeughalter ihren "Widerrufsjoker" ziehen. Aufgrund der formalen Fehler kann der Darlehensvertrag auch heute noch widerrufen werden. Im Falle einer wirksam widerrufenen Finanzierung können Sie Ihren Diesel zurückgeben und erhalten Ihre Anzahlung und die bereits gezahlten Raten zurück. Bei Verträgen nach 2014 kann Ihnen darauf auch keine Nutzungsentschädigung für die bisherige Laufleistung des Fahrzeugs angerechnet werden.

Wie kann ich meine Ansprüche durchsetzen?

Mit der Durchsetzung Ihrer Ansprüche sollten Sie einen spezialisierten Rechtsanwalt beauftragen. Die Hersteller werden nicht auf Sie zukommen, um Ihnen eine Entschädigung oder ein mangelfreies Fahrzeug anzubieten.

Sollten Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, wird diese die Kosten für die anwaltliche Vertretung übernehmen. In dem Fall können Sie ohne jegliches Kostenrisiko gegen die Autobauer vorgehen.

Aber auch ohne Rechtsschutzversicherung sorgen unsere Partner von Gansel Rechtsanwälte dafür, dass ein Prozesskostenfinanzierer die Kosten übernimmt. Sie zahlen dann nur im Erfolgsfall.

Ansprüche durchsetzen im Abgasskandal

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Bereits über 400.000 Anmeldungen zur Sammelklage gegen VW

Sammelklage als Alternative

Über 24.000 Dieselbesitzer haben bereits auf eigene Faust gegen den VW-Konzern geklagt. 6.000 Verfahren wurden entschieden – zum größten Teil positiv für Käufer von manipulierten Dieselfahrzeugen. Seit 1. November 2018 gibt es nun eine weitere Methode, um seine Ansprüche gegenüber den Automobil-Unternehmen geltend zu machen: die Musterfeststellungsklage.

Bei dieser Form der Sammelklage haben Verbraucherverbände, wie die Verbraucherzentralen, die Möglichkeit, eine Klage einzureichen. Finden sich mindestens 50 Verbraucher, die denselben Schadensfall erlebt haben und sich der Musterfeststellungsklage anschließen wollen, kann diese stattfinden.

Auch interessant

Die Musterfeststellungsklage gegen VW

Was eine Sammelklage bzw. Musterfeststellungsklage genau ist und worum es bei der Klage gegen VW geht, erfahren Sie hier:

Alles zur VW Sammelklage

Jedoch werden in den Verfahren nur grundlegende Fragen beantwortet: Hat VW seine Kunden vorsätzlich betrogen? Was für ein Schaden ist entstanden? Das Urteil bietet geschädigten Dieselbesitzern eine Grundlage, auf der sie eine Einzelklage gegen die Unternehmen anstreben können.

Bislang wurde vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine Klage gegen den VW-Konzern eingereicht. Dieser Musterfeststellungsklage haben sich bereit über 400.000 von VW geschädigte Verbraucher angeschlossen. Weitere Klagen gegen Hersteller wie Mercedes-Benz oder BMW wurden bisher jedoch noch von keinem Verband angekündigt.

Wie geht es im Dieselskandal weiter?

Der Dieselskandal hat in Deutschland eine Debatte rund um das Thema Mobilität losgetreten. Immer mehr Städte wollen Fahrverbote für bestimmte Dieselfahrzeuge einführen. Seit Januar 2019 gibt es in Stuttgart die ersten Fahrverbote für auswärtige Dieselfahrzeuge. Ab Sommer 2019 wollen diverse deutsche Städte, wie Berlin, Bonn und Frankfurt nachziehen und dreckige Dieselfahrzeuge aus ihren Innenstädten verbannen. Wer gegen das Fahrverbot verstößt, wird zu einer Bußgeldzahlung verdonnert.

Das Jahr 2019 könnte auch rechtlich gesehen einige interessante Entwicklungen mit sich bringen. Das Musterfeststellungsverfahren gegen VW wird vermutlich im ersten Halbjahr 2019 beginnen. Jedoch kann sich das Verfahren bis Urteilsverkündung über einige Jahre hinweg ziehen. Dennoch ist es ein erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit für Geschädigte des Dieselskandals.

Auch das Thema Nachrüstungen wird in der Politik heiß diskutiert. Es scheint jedoch weiterhin so, als würden die politischen Vertreter ihre Hand schützend über die Automobilfirmen halten. Es gibt bereits unterschiedliche Tests, die beweisen, dass Hardware-Nachrüstungen für manipulierte Dieselfahrzeuge wirksam wären. Der Schadstoffausstoß lässt sich dadurch deutlich reduzieren. Doch die Autohersteller sehen sich nicht in der Pflicht, für die kostenintensiven Nachrüstungen aufzukommen, obwohl es eigentlich ihre Aufgabe wäre.

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