Audi Abgasskandal

Welche Rolle spielt Audi im Dieselskandal?

Das wichtigste vorab
  • Wie bei VW ist der Motortyp EA 189 der Übeltäter
  • Audi wird Mitentwicklung der illegalen Software vorgeworfen
  • Betroffen sind auch neuere Modelle, die noch bis 2018 gefertigt wurden
  • Auch für Audi-Diesel drohen Fahrverbote in den Innenstädten
  • Getäuschte Kunden können Schadensersatz oder eine Rückabwicklung des Vertrags fordern
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Philipp Caba, Rechtsanwalt von Gansel Rechtsanwälte
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Carolyn Diepold, Rechtsanwältin von Gansel Rechtsanwälte
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Audi Abgasskandal: Auch hier keine weiße Weste

Im September 2015 war VW gezwungen, die Manipulationen an ihren Dieselfahrzeugen zuzugeben. Nur wenige Wochen später zieht auch die Tochtermarke Audi nach und gesteht, die Verwendung bestimmter Software-Teile "nicht ausreichend offengelegt zu haben". Nicht offenlegen heißt in diesem Fall, dass das Unternehmen schlichtweg verheimlicht hat, ebenfalls eine Manipulationssoftware zur Verfälschung der Abgaswerte verwendet zu haben.

Der Ingolstädter Autohersteller ist im VW-Konzern für die Produktion der 3,0-Liter-Motoren zuständig. Entsprechend waren hauptsächlich Audi-Modelle, die den Motor EA 189 in der 3,0-Liter-Ausführung verbaut haben, betroffen. Anfangs bestritt Audi, vorsätzlich betrogen und manipuliert zu haben, jedoch wurde schnell klar, dass die VW-Tochter enger in den Dieselskandal verstrickt ist, als ursprünglich angenommen.

So kam es zum Audi Abgasskandal – Die Chronologie

November 2015

Audi erklärt selbstbewusst, nicht am Dieselskandal beteiligt zu sein. Der Autobauer habe keine Software verwendet, die "die Abgaswerte in unzulässiger Weise verändert".

Dezember 2015

Audi gesteht in einem Schreiben, in dem es vor Fachbegriffen und Verschleierungen nur so wimmelt, ebenfalls am Manipulations-Skandal beteiligt zu sein. Hauptsächlich sollen die 3,0-Liter-Motoren betroffen sein, die in Modellen der Mittel- und Oberklassen verbaut wurden. Seit 2009 wurden etwa 85.000 Fahrzeug mit diesem Motortyp in die USA geliefert.

Juli 2016:

Audi versucht weiterhin, sich aus dem Skandal herauszureden und gibt an, die Abschalteinrichtung eingebaut zu haben, um den Motor zu schützen. Dieses Argument verwendeten viele Hersteller der Autobranche, um Vorwürfe von sich zu weisen.

September 2016:

Mittlerweile kann dem Ingolstädter Autobauer die vorsätzliche Manipulation nachgewiesen werden. Zudem verdeutlichen sich die tatsächlichen Verstrickungen der VW-Tochter mit seinem Mutterkonzern mehr und mehr: Audi soll nicht nur betrogen haben, sondern sogar an der Mitentwicklung der Manipulationssoftware beteiligt gewesen sein.

Januar 2017:

Der Mutterkonzern VW gibt bekannt, dass Audi aktiv am Dieselskandal mitgewirkt hat. Rupert Stadler bleibt dennoch weiterhin Audi-Chef.

Juni 2017:

Da die Beteiligung von Audi am Dieselskandal nun öffentlich ist, ordnet Verkehrsminister Alexander Dobrindt den Rückruf von 24.000 Fahrzeugen an. Die Fahrzeughalter sollen aufgefordert werden, eine Werkstatt zu besuchen, um eine Nachbesserung vornehmen zu lassen. Betroffen sind die Audi-Modelle A6 und A7 mit einem V6- oder V8-Dieselmotor aus den Jahren 2009 bis 2013.

Juli 2017:

Endlich rollen auch bei Audi Köpfe, beziehungsweise ein Kopf: Der ehemalige Motorenentwickler Giovanni P. wird festgenommen und inhaftiert. In Untersuchungshaft bringt der Ingenieur schwere Vorwürfe gegen den Audi-Vorstand vor. Die Anschuldigung belegt er mit einem 28-seitigen Schreiben, bestehend aus E-Mails, Dokumenten und Vorträgen.

Juni 2018:

Nachdem sich der Verdacht gegen Audi-Chef Rupert Stadler über Monate hinweg immer weiter verdichtet, wird der Chef der VW-Tochter inhaftiert. Stadler bleibt jedoch weiterhin Audi-Chef und Vorstand des VW-Konzerns. Während er in Untersuchungshaft sitzt, gilt er als beurlaubt.

Oktober 2018:

Nach viermonatigem Aufenthalt in der Untersuchungshaft tritt Rupert Stadler von seinem Posten als Audi-Chef und Vorstand des VW-Konzerns zurück. Stadler sei wegen seiner „andauernden Untersuchungshaft“ nicht in der Lage, seinen Aufgaben nachzukommen.

Wie war Audi am Abgasskandal beteiligt?

Schnell wandelte sich die Rolle von Audi im Dieselskandal vom überraschten Unbeteiligten zum verstrickten Mitwisser. Zu Beginn des Skandals wies der Ingolstädter Autobauer jeglichen Verdacht von sich: Audi habe keine Motoren vorsätzlich manipuliert. Doch nur wenige Wochen später gab die VW-Tochter zu, die Behörden über bestimmte Bestandteile nicht informiert zu haben. Das heißt, auch Audi hat den US-amerikanischen Behörden die Verwendung der illegalen Software verheimlicht.

Nach und nach wird die Verstrickung im Fall von Audi klarer. So soll der Autobauer nicht einfach nur mit der großen Konzernmutter VW mitgezogen haben, sondern die Betrugssoftware sogar mitentwickelt haben. Enthüllungen im Abgasskandal zeigen, dass die Software komplett oder teilweise im Hause Audi entstanden ist. So wäre Audi nicht nur Mitwisser, sondern möglicherweise der Anstifter und Ausgangspunkt des gesamten Dieselskandals. Da Audi hauptsächlich große 3,0-Liter-Motoren fertigt und hierbei die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte noch schwieriger ist, liegt eine Manipulation nahe.

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Audi-Fahrzeuge erkennen Prüfstand und stoßen weniger Abgase aus.

Was wurde an den Audi-Fahrzeugen manipuliert?

Bevor ein neues Modell auf den Markt kommt, wird es auf Herz und Nieren auf dem Prüfstand getestet. Hier können diverse Szenarien simuliert und alle Werte des Fahrzeugs getestet werden. Im Anschluss findet auch die Modell-Zertifizierung der zuständigen Zulassungsbehörde statt. So werden hier auch die Emissionswerte geprüft. Im Normalfall sollte die tatsächliche Menge an Abgas gemessen werden, die auch im späteren Realbetrieb auf der Straße vom Fahrzeug ausgestoßen wird.

Im Dieselskandal wurde jedoch eine Software missbraucht, die über vorhandene Sensoren im Fahrzeug erkennt, ob sich das Auto auf dem Prüfstand oder auf der Straße befindet. Anhand bestimmter Faktoren, wie der Lenkung und Reifenstellung, realisiert das getestete Modell den "Prüfmodus" und schaltet eine optimierte Abgasaufbereitung ein. Die Abgaswerte fallen dadurch deutlich besser aus und liegen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Die Zulassungsbehörde ist zufrieden und das neue Modell wird für den Verkauf zugelassen.

Nun fährt der Käufer des Fahrzeugs seinen neuen Diesel regulär auf der Straße. Hier wird vom Auto kein "Prüfmodus" erkannt, wodurch die Abgasaufbereitung deutlich reduzierter abläuft oder sich sogar komplett ausschaltet. Somit liegen die tatsächlichen Werte des Abgasausstoßes deutlich über den auf dem Prüfstand gemessenen Emissionen. Diverse Gerichte sehen hier einen vorsätzlichen und sittenwidrigen Betrug am Käufer des Dieselfahrzeugs. Die zuständigen Zulassungsbehörden haben an alle betroffenen Dieselfahrer eine Mitteilung herausgeschickt, in der die Halter verpflichtet werden, eine Werkstatt aufzusuchen, um ein Software-Update aufspielen zu lassen. Mit diesem Update will Audi die Manipulation deaktivieren – auf Kosten der Kunden.

Was passiert bei einem Software-Update mit meinem Fahrzeug?

Der illegale Teil der Software wird durch das Update deaktiviert. Das Fahrzeug wird von nun an also im "Prüfmodus" bewegt. Die Emissionswerte sollten sich nach dem Werkstattbesuch wieder innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte bewegen. Jedoch werden die Abgasanlagen deutlich stärker belastet. Dieselfahrer, die das Update haben aufspielen lassen, berichten von einer verstärkten Verschmutzung des Rußpartikelfilters und einem schnelleren Verschleiß des Abgasrückführungsventils. Müssen diese beiden Teile öfter ausgetauscht werden, können für den unschuldigen Fahrzeughalter Mehrkosten in Höhe von mehreren tausend Euro entstehen.

Welche Audi-Modelle sind betroffen?

Wie auch beim Mutterkonzern VW heißt der manipulierte Motor bei Audi EA 189. Insgesamt sind 2,1 Millionen Audi-Fahrzeuge vom Dieselskandal betroffen. Die folgenden Motoren beinhalten die Manipulationssoftware:

  • Dieselmotoren der Baujahre 2009 bis 2014
  • 3,0-Liter-Motoren (6 Zylinder) der Baujahre 2015 bis 2018

Diese Modelle sind vom Audi Abgasskandal betroffen:

  • Audi A1 (1.4 TFSI)
  • Audi A1 (1.6 TDI, 2.0 TDI) (2009 - 2014)
  • Audi A3 (1.4 TFSI)
  • Audi A3 (1.6 TDI, 2.0 TDI) (2008 - 2014)
  • Audi A3 (1.6 TDI Sportback) (Euro 6)
  • Audi A4 (2.0 TDI) (2007 - 2013)
  • Audi A5 (2.0 TDI)
  • Audi A4 (2.0 TDI) Avant (Euro 6)
  • Audi A 5 (3.0 TDI)
  • Audi A6 (2.0 TDI) (2008 - 2014)
  • Audi A6 (2.0 TDI Avant) (Euro 6)
  • Audi A 6 (3.0 TDI)
  • Audi A 7 (3.0 TDI)
  • Audi Q3 (2.0 TDI) (2011 - 2013)
  • Audi Q3 (2.0 TDI quattro)
  • Audi Q5 (2.0 TDI) (2008 - 2015)
  • Audi Q 5 (3.0 TDI)
  • Audi Q 7 (3.0 TDI)
  • Audi TT (2.0 TDI) (2008 - 2013)
Hinweis

Betroffenheit Prüfen

Audi bietet auf seiner Internetseite die Möglichkeit, anhand der Fahrzeug-Indentifizierungsnummer (FIN) zu prüfen, ob Ihr Auto vom Abgasskandal betroffen ist.

Audi: Prüfung der Betroffenheit

Audi Abgasskandal:Diesel

Drohen bald Fahrverbote für Dieselfahrzeuge?

Seit der Dieselskandal öffentlich gemacht wurde, wird in deutschen Großstädten über Fahrverbote für Diesel- und Benzinfahrzeuge diskutiert. Noch im letzten Jahr schienen Fahrverbote undenkbar, doch 2019 werden sich deutsche Dieselhalter mehr mit diesem Thema auseinandersetzen müssen.

Seit Januar 2019 verbietet Stuttgart auswärtigen Dieselfahrern mit Fahrzeugen der Abgasnorm 4 und älter, in die Innenstadt zu fahren. Im Sommer wollen weitere Städte, wie Bonn, Köln, Hamburg und Frankfurt den Stuttgartern folgen und nur noch Dieselfahrzeuge der Abgasnorm 5 und 6 über die Stadtgrenzen lassen. Hält man sich nicht an das Fahrverbot, wird der Verstoß mit einer Bußgeldzahlung geahndet.

Was können Kunden von Audi fordern?

Geschädigte Audi-Kunden können und sollten gegen den Autobauer vorgehen, wenn sie nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben wollen. Hier muss unterschieden werden, wann das betroffene Fahrzeug erworben wurde. Da auch Fahrzeuge die illegale Software beinhalten, die bis 2018 noch gefertigt wurden, gilt für manche Kunden noch die Gewährleistung.

Ihre Ansprüche: Geld zurück oder Schadensersatz.

  • Erstattung des Kaufpreises oder Neufahrzeug

Käufer von manipulierten Dieselfahrzeugen können ihr Fahrzeug zurückgeben und dafür eine Erstattung des Kaufpreises fordern. Es ist wahrscheinlich, dass eine Nutzungsentschädigung abgezogen wird, die jedoch weit unter Wertverlust liegt. Alternativ zur Erstattung des Kaufpreises kann der Audi-Kunde auch ein gleichwertiges Ersatzfahrzeug fordern, das die erforderlichen Grenzwerte einhält.

  • Schadensersatz fordern:

Geschädigte Autokäufer haben die Möglichkeit, Audi wegen Betrugs und sittenwidriger Schädigung zu verklagen. Die Chancen stehen gut, dass Audi zu einer Schadensersatzzahlung verpflichtet wird. Betroffene Audi-Fahrer müssen in diesem Fall ihr Fahrzeug nicht an den Hersteller zurückgeben. In den USA wurden Besitzer von manipulierten Dieselfahrzeugen mit einer Summe von etwa 10.000 US-Dollar entschädigt. Auch für deutsche Kläger sind Entschädigungen in Höhe von bis zu 10.000 Euro möglich.

  • Autokredit widerrufen:

Bei finanzierten und geleasten Fahrzeugen kann ein Kreditwiderruf möglich sein. Lassen Sie Ihren Kreditvertrag rückabwickeln und geben Sie Ihr Fahrzeug an Audi zurück. Dieses Recht haben viele Kreditnehmer, da in fast allen Autokreditverträgen fehlerhafte Widerrufsinformationen erhalten sind. Diese bewirken, dass der Vertrag ewig widerrufbar ist, da die Widerrufsfrist nie begonnen hat zu laufen. Bei einem wirksamen Widerruf Ihrer Autofinanzierung erhalten Sie die Anzahlung und alle bisher gezahlten Raten zurück. Lediglich die gezahlten Zinsen behält der Kreditgeber ein. Bei Verträgen ab 2014 müssen Sie sich nicht einmal die Laufleistung des Fahrzeugs anrechnen lassen.

Wie setze ich meine Ansprüche bestmöglich durch?

Bei einem geplanten Vorgehen gegen Audi, ist es meist notwendig und empfehlenswert, einen Anwalt zu beauftragen. Denn nur Anwälte können ausreichend Druck auf Audi ausüben, damit das Unternehmen der Zahlung einer Entschädigung oder der Rücknahme Ihres betroffenen Dieselfahrzeugs zustimmt. Wollen Sie alleine gegen Audi vorgehen, wird sich der Fahrzeughersteller sehr wahrscheinlich weigern, Ihnen auch nur einen Cent zu bezahlen.

Ein Vorgehen gegen den Hersteller lässt sich ohne jedes Kostenrisiko auf zwei Wege finanzieren.

  • Mit Rechtsschutzversicherung:

Eine Rechtsschutzversicherung sorgt dafür, dass Ihnen alle anfallenden Kosten erspart bleiben. Lediglich die vereinbarte Selbstbeteiligung muss von Ihnen entrichtet werden. Unsere Partner von Gansel Rechtsanwälte holen für Sie kostenfrei eine Deckungszusage ein und kümmern sich um die Abrechnung mit dem Versicherer.

  • Ohne Rechtsschutzversicherung:

Ohne Rechtsschutzversicherung sorgen unsere Experten dafür, dass ein Prozesskostenfinanzierer für Sie in Vorkasse geht. Dieser verlangt nur ein Erfolgshonorar in Höhe von 29 Prozent, wenn der Prozess für Sie mit einem wirtschaftlichen Gewinn endet.

Audi hat anscheinend nichts aus dem Skandal gelernt

Anzunehmen wäre, dass die Folgen des Dieselskandals eine Lehre für den Autobauer Audi sind. Anscheinend nicht, denn im Mai 2018 wurden erneut Manipulationsvorwürfe laut. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte nun die Dieselmotoren im Verdacht, die in den Modellen A6 und A7 verbaut sind. Hier soll ebenfalls eine Manipulationssoftware in Verwendung sein. Der Verkauf der Modelle wurde gestoppt und Audi zu einer Rückrufaktion verpflichtet.

Etwa 33.000 Fahrzeuge sind in Deutschland von den erneuten Manipulationen betroffen. Hierbei handelt es sich um Fahrzeuge, die noch bis 2018 gefertigt wurden – also lange nachdem der Dieselskandal öffentlich gemacht wurde. Audi startete nun im November 2018 die erste von acht Rückrufaktionen. Hierbei sollen laut KBA etwa 151.000 Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse betroffen sein. Weitere Rückrufaktionen werden erst starten, sobald das KBA die Lösungsvorschläge von Audi genehmigt hat.

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